Brustwiederaufbau (Brustrekonstruktion) in St. Gallen

 

Liebe Patientin

Sie möchten nach einer teilweisen oder vollständigen Entfernung Ihrer Brust einen operativen Brustwiederaufbau (Brustrekonstruktion) in meiner Praxis in St. Gallen durchführen lassen. Vor der Operation werde ich Sie eingehend über die Möglichkeiten und Durchführungen der Behandlung informieren. Sie müssen nahe liegende, typische Risiken und Folgen des Eingriffes kennen, damit Sie sich entscheiden können, ob und welche Art eines Wiederaufbaus für Sie in Frage kommt. Dieses Aufklärungsblatt soll Ihnen helfen, sich auf weitere Gespräche vorzubereiten.


Wann ist ein Brustwiederaufbau möglich?

Nach der Entfernung der Brust oder Teile davon kann der Wiederaufbau entweder bereits während der Erstoperation oder im Anschluss an weitere Behandlungsmassnahmen (Bestrahlung, Chemotherapie) erfolgen. Öfters sind mehrere Eingriffe notwendig, zum Beispiel um die Brustwarze wiederherzustellen und gegebenenfalls die Gestalt und Grösse der gesunden Brust anzugleichen.

Auch Jahre nach einer Amputation ist ein operativer Aufbau der Brust durchführbar. Das Alter der Patientin spielt dabei keine wesentliche Rolle.


Die Brustoperation in St. Gallen

Die Operation erfolgt in Allgemeinnarkose. Über Einzelheiten und Risiken der Narkose wird Sie der Anästhesist gesondert aufklären.

Die Brust kann mit Hilfe körpereigenen Gewebes oder durch Einsetzen eines Implantates (Silikonkissen) wiederaufgebaut werden. In einzelnen Fällen werden die beiden Möglichkeiten kombiniert.

Die für Sie am besten geeignete Operationsmethode werde ich mit Ihnen besprechen, unter Berücksichtigung Ihrer persönlichen Bedingungen (z.B. Wunsch, Beschaffenheit und Grösse der Narbe, Hautverschieblichkeit und vorherige Strahlenbehandlung, usw.).

Die verschiedenen Verfahren, die zur Verfügung stehen, sind:
• Direktes Einsetzen eines Implantates unter den Brustmuskel. Dieses Vorgehen ist nur möglich, wenn ausreichend und gut verschiebliche Brusthaut und Unterhautgewebe zur Verfügung stehen.

• Einpflanzen eines Expanders. Dieser wird in regel-mässigen Abständen nachgefüllt, um die Brusthaut und Brustmuskulatur aufzudehnen. Nach einigen Monaten ist genügend verschiebbare Haut vorhanden, um den Expander zu entfernen und ein bleibendes Implantat einzusetzen.

• Verschieben von Fettgewebe, Haut und Muskulatur des Rückens. Hieraus wird die neue Brust geformt. Gelegentlich ist der zusätzliche Einsatz eines Implantates nötig.

• Verlagern von Unterbauchhaut und Fettgewebe mit Bauch-muskulatur. Das Gewebe wird unter der Bauchhaut in das frühere Operationsgebiet hinaufgeschoben und als Brustersatz geformt.

• Verpflanzen von Haut-, Fett- und Muskelgewebe des Unterbauches oder des Gesässes in das frühere Operationsgebiet. Mit Hilfe eines mikrochirurgischen Eingriffes wird eine ausreichende Blutzufuhr durch eine Gefässverbindung erreicht.

Bei Verschiebung oder freier Verpflanzung körpereigenen Gewebes bleibt an der Entnahmestelle (Bauch, Gesäss oder Rücken) eine Narbe zurück.

Die Brustwarze wird zu einem späteren Zeitpunkt durch eine besondere Gestaltung der Haut oder aus Teilen der anderen Brustwarze an der höchsten Stelle der neu geformten Brust nachgebildet. Die angrenzende Haut um die Brustwarze (Warzenhof) wird durch Pigmentierung/Tätowierung nachgeahmt. Auch eine Rekonstruktion mittels Haut der Oberschenkelinnenseite ist möglich.

Falls nötig, wird die gesunde Brust in einer zweiten Operation bezüglich Grösse und Gestalt der wieder aufgebauten Brust angeglichen, dann gleichzeitig zur Wiederherstellung der Brustwarze.

Bei überraschenden Befunden, die zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorhersehbar sind und nur selten vorkommen, können weitere Massnahmen erforderlich werden. Ich brauche Ihr ausdrückliches Einverständnis dafür, in solchen Situationen selber während der Operation entscheiden zu dürfen, was für Sie das Beste ist und entsprechend zu handeln.


Welche Komplikationen können auftreten?

Kein ärztlicher Eingriff ist völlig frei von Risiken!
Trotz grösster Sorgfalt kann es während und nach dem Eingriff zu Störungen kommen, die jedoch meist sofort erkannt werden und in der Regel gut beherrschbar sind.

Zu nennen sind:

Während der Operation in St. Gallen:
Stärkere Blutungen. Dann kann die Übertragung von Blut oder Blutbestandteilen erforderlich sein. Normalerweise brauchen Sie für diese Operation keine Bluttransfusion. Deshalb ist es auch nicht sinnvoll, vor der Operation Eigenblut bereitzustellen.

Selten kann es zu Druckschäden an Nerven und Weichteilen in Folge der notwendigen Lagerung bei der Operation kommen. Sie bilden sich meist innerhalb weniger Tage oder Wochen zurück und hinterlassen nur selten bleibende Beschwerden wie Taubheitsgefühl, Lähmungen oder Narben. Das gilt auch für die Hautschäden durch Desinfektionsmittel und elektrischen Strom, der zur Blutstillung nötig ist.

Durchblutungsstörung des Eigengewebes. Auch bei grösster Sorgfalt können die feinen Gefässe, die den Gewebekomplex ernähren, überbelastet werden. Insbesondere bei Vorbehandlungen (Bestrahlung) kann die Gefässqualität schon herabgesetzt sein. Die Folge kann zu einem Verlust des Gewebes führen.

Nach der Operation
Nachblutungen und Blutergüsse - auch wenige Tage nach der Operation - können einen zweiten Eingriff zur Blutstillung und Entfernung der Blutergüsse notwendig machen.

Infektion der Wunde und Verzögerungen der Wundheilung sind selten. Als Folge können Eiteransammlungen (Abszesse), Absterben von Gewebe (Nekrosen), Veränderungen der Brustform und -Grösse oder ausgeprägte Narben auftreten. Bei vorheriger Bestrahlung ist das Risiko dieser Komplikationen erhöht.

Selten Bildung von Blutgerinnsel (Thromben) evtl. mit nachfolgender Verschleppung eines Gerinnsels und Verschluss eines Blutgefässes (z.B. Lungenembolie), die lebensbedrohlich sein können und einer umgehenden ärztlichen Behandlung bedürfen. Das Risiko ist bei langer Bettlägerigkeit erhöht. Um dieses Risiko möglichst tief zu halten, bekommen Sie vom Tag vor der Operation an täglich eine Thromboseprophylaxe.

Teilweise oder vollständiges Absterben der verpflanzten Haut und des Muskels sowie des Fettgewebes durch Störungen der Blutversorgung, welche das Entfernen des versetzten Gewebes und einen nochmaligen Aufbau erforderlich machen.

In der transplantierten Haut finden wir immer eine geminderte und häufig fehlende Berührungsempfindlichkeit, die sich mit der Zeit bessert aber niemals ganz normalisiert. Dies beruht darauf, dass Nerven bei der Umlagerung des Gewebes durchtrennt werden müssen und nur spärlich wieder einwachsen.

Unterschiedliche Färbung und Beschaffenheit der verpflanzten Haut im Vergleich zur umliegenden Brusthaut.

Störungen der Narbenbildung. Wenn Narben unter Spannung stehen, können sie sich verbreitern. Gelegentlich entstehen bei entsprechender Veranlagung dicke, wulstige, verfärbte und schmerzhafte Narben, auch an der Entnahmestelle. Durch konservative Massnahmen wie Narbenmassagen, usw. kann diese Gefahr verringert werden.

Bei Armbewegungen kann es zu Bewegungen der Brust kommen wie übrigens auch bei einer normalen Brust, doch werden Sie vor einer Operation nicht so sehr darauf geachtet haben.

Vorübergehendes Spannungsgefühl, Schwäche der Bauchwand und Bauchwandbruch, wenn Haut, Fettgewebe und Bauchmuskulatur des Unterbauches zur Neuformung der Brust verwendet wurden. Je nach anatomischen Gegebenheiten ist der Einsatz eines Kunststoffnetzes erforderlich.

Kapselfibrose
Wenn ein Implantat verwendet wird, kann es zu einer Schrumpfung der Narbe um dieses kommen. Diese Narbe ist unter Umständen tastbar, eventuell auch sichtbar. Die Konsistenz der Brust wird dadurch fester. In seltenen Fällen können Schmerzen auftreten, so dass das Implantat entfernt und ein neues eingelegt werden muss. Diese Kapselbildung tritt oft bereits innerhalb des ersten Jahres nach der Operation auf, zu einem späteren Zeitpunkt ist sie seltener. Die Häufigkeit einer korrekturbedürftigen Veränderung liegt bei modernen Implantaten bei ca. 5 %. Auch wenn eine so geschrumpfte Kapsel operativ entfernt wird, ist eine erneute Verhärtung nicht auszuschliessen.
Eine Strahlentherapie der Brust erhöht das Risiko zur Kapselfibrose massiv. Ist eine solche absehbar nötig, ist der Rekonstruktionsweg über ein Silikonimplantat nicht sinnvoll; allenfalls würde in einer solchen Situation vorübergehend ein Expander eingesetzt.

Bei sehr schlanken Patientinnen mit geringer Fettpolsterung und dünner Brustmuskulatur kann der Rand des Implantates im Brustansatzbereich spürbar sein. Besonders bei dünnflüssigem Implantatinhalt kann es auch zu einer sichtbaren Fältelung kommen.

Fremdkörper- oder Kältegefühle im Brustbereich verringern sich meist deutlich nach wenigen Monaten.

Es kann zu Infektionen kommen, die meist banal sind, wenn sie im Bereiche der Wunde liegen oder auch tiefer, wenn keine Fremdkörper eingesetzt wurden. Kommt es jedoch zu einer Infektion um ein Implantat, ist seine Entfernung in der Regel unumgänglich. Nach Ausheilen der Entzündung wird ein neues Implantat eingesetzt.

Die längsten und besten Erfahrungen bei Implantaten haben wir mit Silikonkissen, die mit Silikongel gefüllt sind. Es gibt keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen diesem Material und einer Krebsentstehung und keinerlei Nachweis gehäuften Auftretens von Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis. Wird das Implantat durch eine Gewalteinwirkung (z.B. Auto- oder Sportunfall) beschädigt, so kann freies Silikon in das umgehende Gewebe eintreten; dies kann allenfalls zu Gewebsreaktionen führen. Deshalb sollte nach entsprechenden Ereignissen eine baldige Abklärung erfolgen. Ein unbemerktes Platzen ist bei modernen, dickwandigen und mit dickflüssigem Gel gefüllten Implantaten selten.
Andere Füllmaterialien wie z.B. Kochsalz-Lösungen werden bei Verletzungen vom umgebenden Gewebe spurlos aufgenommen. In diesen Fällen nehmen Sie eine rasche Volumenabnahme der Brust wahr.


Erfolgsaussichten

In den meisten Fällen ist es möglich, ein ästhetisch zufrieden stellendes Ergebnis zu erzielen. Trotzdem kann eine vollständige Anpassung beider Brüste selbst dann nicht verwirklicht werden, wenn die gesunde Brust angeglichen wird. Asymmetrien sind naturgebunden.

Still-Fähigkeit und Berührungsempfinden der Brustwarze sind nach einer Amputation unwiederbringlich verloren und können bei der Neuformung nicht wiederhergestellt werden.


Nach der Operation

Handeln Sie bitte unbedingt nach den ärztlichen Anweisungen! Die Verhaltensrichtlinien werde ich mit Ihnen vor Spital-Entlassung besprechen.

Tätigkeiten und Sportarten, die grosse Armbewegungen und damit eine Anspannung der Brustmuskulatur erfordern (Schwimmen, Tennis, usw.) sind nach der Operation mindestens vier Wochen zu unterlassen.
Nach dem Eingriff empfiehlt es sich, die Brüste durch einen straff sitzenden BH zu stützen und ruhigzustellen, um die Wunde zu entlasten (Sport-BH 4 Wochen). Schonen Sie den Bereich der Achselhöhle, wenn bei Ihnen Gewebe vom Rücken entnommen wurde.

Kommen Sie unbedingt zu den vereinbarten Kontrolluntersuchungen. Nur so kann eine mögliche Komplikation frühzeitig erkannt werden.

Falls Sie etwas Ungewöhnliches bemerken oder über den Verlauf verunsichert sind, dürfen Sie sich selbstverständlich jederzeit mit mir in Verbindung setzen!


Fragen zum Aufklärungsgespräch:

Im Aufklärungsgespräch sollten Sie nach allem fragen, was Ihnen wichtig erscheint, wie z.B. Erläuterungen über persönliche Risiken, die im Aufklärungsgespräch nicht erwähnt wurden. Gibt es andere Behandlungs-Möglichkeiten? Welche Massnahmen (z.B. Infusionen, Einspritzungen, Medikamente, Blutersatz) sind zur Vorbereitung oder während der Operation erforderlich? Mit welchen Komplikationen ist hierbei zu rechnen? Wie lange dauert der Klinikaufenthalt? Welche Folgen hat die Operation, z.B. Beeinträchtigung durch die Narbe?